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Langeweile bei Babys im 2. bis 6. Monat: Spielen und Singen - fördere ich als Mama genug?

Ich weiß noch, als Larissa so 2 bis 6 Monate alt war: Sie war ja so winzig und konnte mit ihren paar Lebenswochen noch gar nicht viel Reaktion zurückmelden. Ich trug sie zu Hause herum, ging jeden Tag mit ihr an der frischen Luft spazieren und achtete auf ihre Grundbedürfnisse.Trotzdem war Larissa manchmal scheinbar grundlos quengelig.

 

Können Babys sich langweilen? Ohja...

Scheinbar, denn tatsächlich fing Larissa sich bereits recht früh an zu langweilen. Wie erkennt man, ob das Baby Langeweilie hat? Ganz einfach (sage ich jetzt, 1 Jahr später!): durch Ausprobieren und nach dem Ausschlussprinzip.

 

Zum Beispiel wenn ihr bereits erfolglos gecheckt habt, ob euer Baby hungrig, durstig oder müde sein kann. Eine volle Buchse hat es auch nicht und krank ist es ebenfalls nicht? Alles klar, dann kann Langeweile die Ursache fürs Quengeln sein!

 

"Hungrig, durstig, müde, Windel voll oder krank habt ihr ausgeschlossen? Dann langweilt sich euer Baby vielleicht!"

 

Wir haben einen Spielebogen aufgestellt, unter dem Larissa sich gerne ablegen ließ und sich umgeschaut hat. Auf Muster, Punkte und Streifen hat sie früh reagiert und diese interessiert gemustert.

 

Über ihrem Beistellbett haben wir ein Mobile aufgehängt mit roten Marienkäfern, da Rot von Babys am besten erkannt wird. Auch wenn wir Erwachsenen gerne zu Pastellfarben tendieren, nehmt zu Beginn besser etwas Kräftiges. Nach den Käfern hat sie gerne gegriffen.

 

 

Aber das alleine kann ja nicht alles sein, dachte ich mir. Ich las, dass man sein Kind fördern kann, damit z.B. sein Rücken gestärkt wird, damit es sein Köpfchen halten und heben kann, wenn es auf dem Bauch liegt, damit es sich anfängt zu drehen, damit es greifen und visualisieren lernt, außerdem solle man mit seinem Baby viel reden und es besingen, damit es einen Wortschatz entwickle... und so weiter.

 

Puh! Bei all dem Input aus der Baby- und Elternlektüre fragt man sich irgendwann zwangsläufig, ob das Kind überhaupt jemals laufen lernt, wenn man nichts oder zu wenig "fördert" ;-)

 

Ich habe die Bücher irgendwann weggelegt und mein eigenes Spielprogramm entwickelt. Mein Pekip / Babykurs hat mir hierfür viel Inspiration geliefert (dazu später mehr)

 

Hier ist mein Baby Spielprogramm

Folgende tägliche Spielabfolge habe ich mir als Routine zurechtgelegt, die ich vor- und nachmittags wiederholt habe, weil Babys Struktur und sich wiederholende Rituale mögen. Diese geben Ihnen Orientierung, denn sie kennen ja noch keinen "normalen Tagesablauf":

 

1. Lied "Kleine Schnecke" mit Fingerbewegungen

2. Lied "Fähnchen auf dem Turme". Beispiele findet ihr hier.

 

3. Bewegungsreim "Schotter fahren" mit Baby auf dem Schoß. Beispiele findet ihr hier.

 

4. Lied "Zehn kleine Zappelmänner" mit Fingern. Beispiele findet ihr hier.
(Das Lied wurde mit angepassten Bewegungen auch beim Babyschwimmen gesungen.)


5. Lied "Das Kille Kitzel Monster" mit Kitzelattacken. Beispiele findet ihr hier.

 

6. Baby in Bauchlage und Liedreim "Dein Tisch ist heute meine Trommel", wobei man die Bewegungen sanft (!!) auf dem Rücken des Babys ausführt (weshalb ich immer "Dein Rücken ist heut' meine Trommel" gesungen habe), erst mit der flachen Hand, dann mit den Fingerspitzen, mal streichelnd, mal mehr klopfend.

 

Mit den Wochen kamen immer mal andere Spiele und Lieder dazu. Aber auch andere Spielzeuge von Raschelbüchern oder Rasseln über Tücher oder unterschiedliche Materialien und Oberflächen zum Fühlen und Tasten.Ganz toll sind diese "O-Bälle" zum Greifen, die einfach alle Babys lieben!

 

 

Vieles haben wir im Pekip / Babykurs gemeinsam gebastelt. Ich habe zudem immer mal den Ort in der Wohnung gewechselt, wo ich mit meiner Kleinen gespielt habe.

 

Ich finde selber nichts langweiliger als Langeweile und wenn mein Kind noch nicht mit mir spielen kann, dann muss ich unser Programm so gut wie möglich unterhaltsam gestalten für uns beide.

 

PEKIP / Babykurse als Inspirationsquelle

Babykurse werden ab dem 3. Lebensmonat angeboten, z.B. bei eurer lokalen Familienbildungsstätte - derzeit leider meist nur online, aber immerhin. Diese kann ich persönlich sehr empfehlen, weil man sich mit anderen Mamas austauschen kann, deren Babys im gleichen Alter sind. Außerdem bekommt man von der Kursleitung Erfahrungen und Tipps, als auch Spielempfehlungen für das jeweilige Alter mit auf den Weg.

 

Ich habe mich immer auf die wöchentlichen Treffen gefreut. Ich brauchte andere gleichgesinnte und verständnisvolle Mamas und deren Erlebnisse aus dem Alltag um mich herum. Ich habe mich  aufgehoben gefühlt mit meinen Gedanken, Sorgen oder Problemen und gemerkt, dass ich nicht alleine bin.

 

"Egal ob als Präsenz- oder Onlinekurs, sucht euch eine PEKIP / Spielgruppe, denn diese sind Therapie und Inspiration zugleich."

 

So erfuhr ich auch, in welchen Bereichen es mir mit Larissa vergleichsweise gut ergeht oder andersherum. Wir Mamas halfen uns dort bewusst und unbewusst gegenseitig. Die einen Kinder schlafen schlecht, die anderen essen nicht gerne, aber selten läuft es in allen Bereichen nicht rund.

 

In der Gruppe habe ich neben netten Mamas und den süßen Babys auch viele Spielideen kennengelernt, die ich in meinen Babyalltag aufgenommen habe. Lieder und Musik sind immer toll (auch weil ich selbst gerne musiziere).

 

Da gibt es Lieder, wo die Babys den Fingern mit den Augen folgen sollen oder ich kitzel oder streichel mein Baby passend zum Text. Teilweise liegt mein Baby auf dem Bauch, so dass ich auf seinem Rücken „trommeln“ kann. Oder aber es liegt oder sitzt auf mir und wir machen lustige Bewegungen zusammen.

 

Haushalt mit Baby

Klingt komisch, aber ist simpel und machbar: Ich habe meine Kleine in der mobilen Babywippe überall hin mitgenommen. Sie hat mir beim Spülmaschineausräumen zugesehen oder ich habe sie mit zur Waschmaschine genommen und die Wäsche sortiert, in die Trommel getan oder aufgehängt.

 

Ich habe Essen vorbereitet oder auch staubgesaugt. Währenddessen habe ich gesprochen oder etwas gesungen, um Larissa zu unterhalten. Babys finden erstmal alles interessant, was in der Nähe passiert, wenn sie angesprochen und involviert werden.

 

Das Interesse beim Zuschauen aus der Wippe heraus hielt bei Larissa zwar nie sehr lange vor, aber ich habe immer einiges geschafft und konnte mich dafür ausruhen (und so belohnen), wenn auch die Kleine geschlafen hat.

 

Mache ich auch genug?

Obwohl ich mir schon viele Gedanken gemacht habe, damit Larissa keine Langeweile hat, schlichen sich bei mir immer wieder folgende Fragen ein: Mache ich denn auch wirklich genug? Und was gibt es noch für Alternativen? Was könnte ich noch alles machen, was ich noch gar nicht kenne? Fördere ich mein Baby ausreichend?

 

Die Antwort ist: JA, verdammt! :-D

 

Es ist doch so, dass ich immer noch mehr recherchieren könnte. Noch mehr Online-Plattformen durchstöbern und noch mehr Youtube-Videos als Inspiration anschauen könnte, um mir und meinem Baby noch mehr Abwechslung und Förderung zu bieten.

 

Aber macht es dann wirklich auch noch Spaß? Das ist die viel interessantere Frage.

 

Unser Baby lernt und entwickelt sich von ganz alleine, alle können sich irgendwann drehen und alle krabbeln und laufen irgendwann. Ob ich nun fünf Förderspiele mache oder nur eines immer wiederhole - es geht dabei vielmehr um mich als Mama selber. Wenn mir mein Programm ausreicht, wenn ich daran Spaß habe, es mit meinem Baby zu machen, dann ist es auch für mein Baby perfekt.

 

Jede Mama ist anders. Die eine ist auf Abwechslung aus und braucht alle paar Tage was neues, die andere ist ein Gewohnheitstier und mag die Routine. Jede Mama ist so gut, wie ihr Gefühl es zulässt. Die einen sind selbstkritischer (so wie ich), machen sich zu viele Gedanken und sollten sich täglich sagen:

 

„Mama, chill mal!“

 

Die anderen nehmen alles super locker und machen so gut wie nichts an "Förderung" mit ihren Babys. Es kommt auf die eigene innere Zufriedenheit und die eures Babys an und nicht auf Vergleiche mit anderen, die man aus irgendwelchen Ratgebern ableitet.

 

Am Ende werden die Babys von beiden Mamas sich drehen, krabbeln, laufen und sprechen - die einen etwas früher, die anderen etwas später (falls es ein ernstes Problem gibt, wird der Kinderarzt das schon sagen).

 

Sicherlich findet ihr euren ganz eigenen Weg, ich wünsche euch viel Erfolg dabei und ihr schafft das! :-)

 

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Kommentare: 7
  • #1

    Anja (Freitag, 15 Januar 2021 08:50)

    Es freut mich, dass dir unsere Spielgruppe so viel Spaß gemacht hat und du die Anregungen nützlich fandest.�
    Toll zusammengefasst, worauf es ankommt, nämlich dass man sich Zeit nimmt und sich dem Kind liebevoll zuwendet. Liebe Grüße, Anja��‍♀️

  • #2

    Désirée (mamachillmal) (Freitag, 15 Januar 2021 10:05)

    Hallo Anja,
    danke für deinen lieben Kommentar :-)
    Ja die Spielgruppe hat mir sehr viel gebracht und werde bald mit unserem zweiten Kind wieder dabei sein :-)
    Freue mich schon!
    Liebe Grüße, Désirée

  • #3

    Belinda (Freitag, 15 Januar 2021 13:20)

    Das Gefühl und die Ängste kenne ich nur zu gut. Man will ja nur das Beste für seinen kleinen Schatz. Toll, dass du das Thema aufgegriffen hast und so wertvolle Tipps gibst! Gerne mehr davon! :-)

  • #4

    Désirée (mamachillmal) (Montag, 18 Januar 2021 18:35)

    Hallo Belinda,
    so ist es, man will das Beste für sein Baby und woher soll man gerade beim ersten Kind wissen, was wie genug ist. Da sind Erfahrungen von anderen wertvoll.
    Ich freue mich über deinen Kommentar! :-)

  • #5

    Julia B. (Donnerstag, 28 Januar 2021 16:02)

    Mir geht es ganz genau so wie dir. Ich frage mich oft, ob ich meine Kleine genug „fördere und fordere“ und ob ich auch „richtig“ mit ihr spiele. Der Papa macht hier nämlich auch Vieles anders und manchmal denke ich, dass sie mit ihm mehr Spaß hat als mit mir...

  • #6

    Desiree (mamachillmal) (Montag, 01 Februar 2021 22:01)

    Väter und Mütter spielen oft unterschiedlich mit Kindern, aber das ist doch toll, deswegen ist nicht das eine besser oder das andere schlechter. Mein Mann und ich unterscheiden uns auch darin. Ich finde es gut, dass wir uns ergänzen, vor allem für unser Kind. Die Abwechslung ist für sie schön und erfrischend.
    Alle Spiele und Zuwendungen, die mit Liebe und Herzlichkeit einhergehen, sind genau richtig für unsere Kinder. Sie fühlen sich dann von Mama und Papa geliebt und das ist es, was zählt.
    Ihr macht es beide garantiert genau richtig und eure Kleine kann glücklich sein, dass sie Eltern hat, die sie lieben und mit ihr spielen. :-)

  • #7

    Nicole (Mittwoch, 17 März 2021 14:59)

    Hallo, die Frage, ob man auch wirklich alles richtig macht und sein Kind richtig fördert, quält wahrscheinlich jede Mutter. Ich bin mir da auch jedesmal total unsicher und feier mich jedesmal, als wenn ich gerade mein Abitur bestanden habe, wenn ich mal wieder ein neues Kinderlied oder einen Reim auf die Kette bekomme und der Kleine dazu richtig schön "abgeht". Wir können ja zur Zeit auch nicht zum Kinderturnen... Daher danke für deine Inspirationen