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Kita-Start und Eingewöhnung: Von der Chill-mal-Mama zur Klammer-Mama. Weg mit dir, Sorgenteufel!

Es ist so weit: der 13. August, die Kita startet.

 

Wer hätte vor ein paar Monaten gedacht, dass es mir so schwer fallen würde meine kleine Maus abzugeben – ich sicher nicht!

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Sechs Monate vorher

 

Eine Freundin fragte mich im Februar, also sechs Monate vor Kita-Start, ob ich mir sicher sei, dass ich meine Tochter schon mit einem Jahr in die Kita geben möchte. Ich sagte locker: Ja klar, ist doch schön, wenn sie mit gleichaltrigen Kindern zusammen ist.

 

Das fördere das Sozialverhalten, sie würde offener und selbstbewusster werden (so sagt man jedenfalls - ich bin ja leider keine Hellseherin). Die Erzieherinnen wüssten zudem, was sie tun und schließlich hätten wir die Zusage von unserer absoluten Wunschkita, von der wir aus allen Richtungen nur Gutes hören. So ein mega Glück!

 

 

„Ich weiß noch genau,
wie ich innerlich mit den Augen gerollt habe.“

 

 

Meine Freundin antwortete nur, dass sie gespannt sei, ob es mir immer noch so leicht fallen würde, wenn es dann so weit ist. Ich weiß noch genau, wie ich innerlich mit den Augen gerollt habe.

 

Weil ich mir wirklich dachte, dass es doch einfach nur schön ist, wenn Larissa so viel Abwechslung beim Spielen bekommt, statt immer nur mit den Eltern, Großeltern und gelegentlich Kindern von Freunden zu spielen.

 

Zwei Tage vorher

 

Und jetzt – zwei Tage vor dem Kitastart – saß ich heulend auf dem Sofa...
„Verdammt, wie konnte meine Freundin nur so Recht haben?“ Meine Gedanken kreisten nur noch darum, dass ich Larissa in fremde Hände gebe:

 

Was wird dort mit Larissa passieren? Sind die Erzieherinnen auch wirklich lieb zu Larissa? Werden sie auch alle Kinder gut im Auge behalten und in entsprechenden Situationen gerecht handeln?

 

 

„Wie konnte ich nur zulassen,
dass sie jetzt schon in die KiTa geht?“

 

 

Ich habe mich in meinem Sorgenkarussell verloren und dachte nur noch: Was ist wenn sich Larissa von mir im Stich gelassen fühlt? Bin ich zu egoistisch? Wie konnte ich nur zulassen, dass sie jetzt schon in die Kita geht?

 

Sie ist doch erst 14 Monate alt, ein liebes ausgeglichenes Wesen, das wirklich nur weint, wenn sie etwas nicht bekommt, was sie will. Sie lacht gerne, ist offen für andere, animiert und ist unglaublich lustig – was wenn sie sich in der Kita komplett verändert?

 

Mein Mann hat mir gut zugeredet, mir alle positiven Aspekte aufgezählt und warum wir uns für die Kita entschieden haben. Ich ließ mich beruhigen, aber in mir waren die Sorgen und Ängste dennoch stark. Schließlich hätte ich keine Kontrolle darüber, was dort mit ihr passieren würde.

 

Der erste KiTa-Tag

 

Nun bin ich das erste Mal in der Kita und lerne die Erzieherinnen kennen: Entspannte junge Frauen, bei denen ich wirklich das Gefühl habe, dass sie wissen, was sie tun und ihren Job gerne machen.

 

Allerdings, was kann man in 30 Minuten Eingewöhnungszeit schon für einen  Eindruck gewinnen – nur einen sehr kleinen.Außerdem werden in der Gruppe mit insgesamt zehn Kindern gerade acht getrennt voneinander eingewöhnt (wegen Corona).

 

Somit sind nur zwei Kinder neben Larissa im Raum. Klar herrscht dann eine entspannte, ruhige Atmosphäre. Ich merke auf dem Heimweg, dass ich nur kurz an den guten Eindruck denke, aber alle möglichen Sorgen wieder Überhand ergreifen.

 

 

„Was soll ich nur tun?
Hilfe, ich bin ein Kontrollfreak!“

 

 

Wenn ich doch eine Überwachungskamera installieren könnte, über die ich mich von zu Hause aus immer vergewissern könnte, dass es Larissa gerade gut geht und sie zufrieden spielt... dann ginge es mir gut!

 

Komischerweise schütteln alle in meinem Umfeld den Kopf darüber. Keine Chance. Ich muss also lernen loszulassen und den Erzieherinnen einen sogenannten Vertrauensvorschuss geben.

 

Die bekommen das schon hin, dass sie auf jedes Kind eingehen, auch wenn zehn Kinder gleichzeitig vor Ort sind (sagen die erfahrenen KiTa-Mamis).

 

Drei Tage später

 

Als ich am dritten Tag das erste Mal draußen warten soll, damit Larissa ohne mich im Raum ist, sitze ich nach fünf Minuten mit Sorgen- und Trennungstränen auf dem Flur. Was ist nur los mit mir?

 

Die Erzieherinnen sagen mir später, dass sich Larissa gut gemacht und gespielt hätte.  Die nächsten Tage geht es mir besser, da ich während der Wartezeit spazieren gehe. Natürlich trotzdem mit nervösem Magen.

 

 

Ohne Verabschiedung aus dem Raum?
Hartes Brot für mich.

 

 

Dann wird mir gesagt, dass ich bitte ohne Verabschiedung unbemerkt den Raum verlassen solle, das wäre für die Kinder besser.

 

Das macht mich fertig: Ich fühle mich ja eh schon schlecht dabei nicht für Larissa da sein zu können, während ich sie abgebe. Und dann muss ich mich noch heimlich verdrücken? Puh... hartes Brot für mich.

 

Sieben Tage später

 

Am 7. Tag – die Trennungszeit beträgt mittlerweile 1,5 Stunden – verabschiede ich mich im Flur vor dem Raum schon mal von Larissa und erkläre ihr, dass sie jetzt wieder eine tolle Spielzeit vor sich hat und dass ich gleich wieder da bin.

 

Im Raum nimmt eine Erzieherin Larissa dann direkt auf den Arm und ich gehe – immer noch schweren Herzens, aber durch die Verabschiedung meinerseits fühle ich mich ausgeglichener und nicht so, als würde ich meine Tochter heimlich allein lassen. 

 

Larissa kommt auf mich zu gelaufen, als sie mich bei der Abholung sieht. Sie kommt auf meinen Arm, will aber direkt wieder runter, holt sich einen Keks, läuft weiter zur Rutsche -  und lacht mich freudestrahlend von dort aus an.

 

 

Weg mit dir, Sorgenteufel –
mein Kind fühlt sich hier wirklich wohl?!

 

 

Ich bin platt. In mir steigen wieder die Tränen hoch – aber diesmal vor Erleichterung, weil Larissa sich hier anscheinend wirklich wohl fühlt, mich aber auch noch total lieb hat und sich wohl kein bisschen im Stich gelassen fühlt.

 

Meine Sorgen waren zum Glück unberechtigt und ich habe nun für den nächsten Tag ein gutes Gefühl, wenn ich sie wieder in der KiTa abgebe.

 

Mein Sorgenteufel auf der Schulter muss natürlich wieder flüstern: „Jedenfalls  - bis jetzt - läuft es gut...“

 

Ich schubse ihn mit der Rückseite meiner Finger gekonnt herunter und sage mir:

 

„Mama, chill mal“!

 

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Kommentare: 2
  • #1

    Julia B. (Montag, 09 August 2021 23:38)

    Ich kann gerade nicht schlafen, weil meine Gedanken nur noch um das bevorstehende Ende meiner Elternzeit und den damit verbundenen baldigen Beginn der Eingewöhnung bei unserer Tagesmutter kreisen. Mir kullern derweil die Tränen, da ich genau die gleichen Gedanken habe, die du hier beschreibst. Was ist, wenn mein Baby sich abgeschoben und allein gelassen fühlt? Was ist, wenn sie mich nicht mehr lieb hat? Schlimmer noch, wenn sie Tagesmutter mehr lieb hat als mich? *schnief*

  • #2

    Desiree (mamachillmal) (Dienstag, 10 August 2021 00:00)

    Liebe Julia, das Gefühl ist bei mir noch so präsent. Ich wünsche mir für dich, dass du eine herzliche Tagesmutter gefunden hast, bei der du ein gutes Gefühl hast, wenn du dein Kind bei ihr lässt und dass dein Kind die Zeit dort gerne verbringen wird.
    Aber ganz sicher weiß ich, dass es die Tagesmutter niemals mehr lieben wird als dich, die eigene Mama. Aus eigener Erfahrung kann ich jedenfalls jetzt (ein Jahr später nach der Eingewöhnung) berichten, dass meine Larissa immer noch freudig auf mich zu stürmt, wenn ich sie abhole und sehr gerne zu Hause ist, obwohl die Erzieherinnen in der Kita herzlich sind und liebevolle Sachen mit den Kleinen machen :-) Berichte mir gerne, wie es bei dir läuft, liebe Julia.