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Dankbarkeit. Oder wie ich mit Wut, Traurigkeit und Unzufriedenheit umgehe.

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Heute hänge ich ein bisschen durch. Mein Kopf schwirrt. Ich fühle mich antriebslos, aber andererseits verspüre ich eine innere Unruhe. Die Nacht habe ich schon wildes Zeug geträumt, tausend Sachen verarbeitet und durchlebt - erholsam war das nicht.

 

Ich bin froh, dass ich darüber schreiben kann, denn ich bin alleine zu Hause und weiß nicht, wohin mit mir. Kennt ihr das Gefühl? Antriebslos, unruhig und ein Hauch Unzufriedenheit mit euch selbst. Aber woher kommt das? Mir geht’s doch gut.

 

Vielleicht ist es einfach mal wieder Zeit ein wenig Dankbarkeit zu äußern und mir bewusst zu machen, was ich alles habe, wie reich mein Herz ist und was ein Glück ich habe, genau hier leben zu können.

 

Es geht dabei auch um die Dinge, die wir schnell für selbstverständlich nehmen, die aber absolut nicht selbstverständlich sind. Das fällt uns leider oft erst dann auf, wenn wir diese Dinge nicht mehr haben.

 

 

Was nicht selbstverständlich ist, fällt uns leider oft erst auf,
wenn wir diese Dinge nicht mehr haben.“

 

 

Ich beschäftige mich schon länger damit, mir die - meist im Laufe der Zeit - (scheinbar) selbstverständlich gewordenen Dinge vor Augen zu halten und mir meine Dankbarkeit dafür bewusst zu machen. Gerade wenn ich mich über Kleinigkeiten aufrege, die mir in dem Moment riesig groß und wichtig erscheinen, hole ich mich so auf den Boden der Tatsachen zurück.

 

Das ist ein Lernprozess auf dem Weg zu mehr Ausgeglichenheit. Die brauche ich für solche Tage, an denen ich schnell reizbar bin, an denen ich schlechte Laune habe. Da fällt es mir schwer meine Fassung zu bewahren, bei Querelen nicht an die Decke zu gehen.

 

Genau diese Tage eignen sich aber, um meine innere Einstellung zu trainieren, um an solchen Tagen innerlich ruhig(er) zu bleiben. Denn an Tagen, an denen ich gut aus dem Bett komme und fröhlich pfeifend die Welt von ihrer rosaroten Seite sehe, fällt es mir natürlich leicht mich nicht aus der Ruhe bringen zu lassen. 

 

Es gibt zwei Situationen, mit denen ich besser umgehen lernen möchte:

 

Zum einen kann ich mich schnell impulsiv aufregen über eigentlich kleine unwichtige Dinge, die ich teilweise gar nicht mehr ändern kann. Da steigere ich mich in meine Wut hinein und könnte alles kurz und klein schlagen – natürlich würde ich das nie wirklich machen, keine Sorge! Aber gegen dieses extrem negative Gefühl, was da in mir wächst, möchte ich angehen.

 

Zum anderen ergreift mich manchmal eine tiefe Traurigkeit. Ich weiß oft nicht, woher sie kommt. Vielleicht von vergangenen Schicksalsschlägen, die ich unterbewusst nicht akzeptieren möchte. Oder eben einfach so. Ich winde mich in Selbstmitleid und weiß nicht, wohin mit mir. Auch gegen dieses hilflose Gefühl möchte ich angehen.

 

Ich möchte mir selber helfen und das schaffe ich, indem ich mir genau dann bewusst mache, wofür ich in meinem Leben dankbar sein kann, dankbar sein darf und dankbar sein möchte.


 

 

Ich bin dankbar für... (meine persönliche Liste)

 

… für meine süße, liebe Tochter. Sie gibt mir jeden Tag so viel Liebe und erfüllt mich mit größtem Stolz. Sie ist für mich da, einfach in dem sie da ist. Auch wenn wir mal nicht der gleichen Meinung sind, habe ich sie unendlich lieb. Es ist meine Aufgabe ihr Geduld und Kompromissbereitschaft beizubringen. Sie bringt mich jeden Tag zum Lachen. Ich hoffe so sehr, dass sie niemals damit aufhören und dass unsere Familie immer zusammenhalten wird.

 

… für meinen lieben, starken, ehrlichen, hilfsbereiten, engagierten, aufmerksamen, humorvollen, geduldigen, ausgeglichenen und beschützenden Mann Reinold an meiner Seite. Wir lieben uns schon seit 16 Jahren und unser Band wird immer stärker statt schwächer. Ich bin dankbar dafür, dass wir Entscheidungen gemeinsam treffen. Wir können diskutieren. Ich kann alle meine Sorgen und Bedenken äußern, egal wie unangenehm sie sind. Reinold weiß immer, wie was einzuordnen ist und wir finden gemeinsam Lösungen. Wir nehmen Rücksicht aufeinander. Er kann mir aber auch in den Hintern treten, wenn es angebracht ist. Er ist genau der Mann, den ich an meiner Seite brauche und den ich genau so liebe, wie er ist. Er schafft es mich nach so langer Zeit immer noch zu beeindrucken oder zu überraschen. Mir geht heute noch so oft das Herz auf, wenn wir zusammen sind, weil ihm immer wieder süße Sachen für mich einfallen. Zudem ist er nun auch der beste und liebevollste Papa, den sich ein Kind nur wünschen kann.

 

… wieder schwanger geworden zu sein. Wir haben uns ein zweites Kind gewünscht und sind sehr glücklich. Ich bin dankbar für die spannende Zeit, die vor uns liegt. Mit Zuversicht und Verantwortung wird hoffentlich alles gut gehen. Wir freuen uns so auf dich, kleines Würmchen.

 

… für meine Eltern, ohne die ich nicht ich geworden wäre. Ich habe euch so lieb und bin dankbar, dass ihr mein ganzes Leben für mich da wart und es immer noch seid. Wir haben so viele schöne, aber auch schwere Momente zusammen überstanden. Und wir haben heute immer noch viel Spaß zusammen und fahren in kleine Kurzurlaube. Das ist überhaupt nicht selbstverständlich. Genauso freue ich mich auf die regelmäßigen Mädels-Auszeiten, die ich mit meiner Mama und meiner Schwester zusammen plane.

 

… für meine engen Freundinnen! Ihr seid für mich da, wenn ich euch brauche. Wir lachen zusammen, sind albern und fühlen uns gerne mal nicht erwachsen. Das Tolle ist, dass wir sowohl über ernste Themen sprechen, aber auch über die Stränge schlagen können. Ich brauche euch, jede einzelne, und bin dankbar, dass wir uns haben.

 

… für meine Freiräume. Mein Mann und ich waren immer schon Menschen, die gerne unterwegs sind. Wir gehen gerne gemeinsam aus, aber auch getrennte Wege in Männer- und Mädelsrunden. Seit wir Larissa haben, ist dies nicht mehr so selbstverständlich möglich. Mein Mann schafft es mir regelmäßig Freiräume einzuräumen, in denen ich mit Freundinnen ausgehen und abschalten kann. Ich liebe ihn dafür so sehr. Ich genieße diese Auszeiten, aber freue mich danach umso mehr nach Hause zu kommen zu meinen Liebsten, und zwar mit frisch aufgeladenem Akku.

 

… für meinen Heiratsantrag. Es war eine überwältigende Überraschung und dass mein Mann sich mit so viel Herz, Romantik, Energie und Kreativität reingehängt hat, hat mich umgehauen. In einem Extrabeitrag werde ich euch gerne mal davon erzählen, wenn ihr möchtet. Ich kann es heute noch kaum glauben, dass mir das geschehen ist. Diese Erinnerung wird mir immer erhalten bleiben.

 

… für meine Reisen. Mit meinem Mann bin ich schon über die ganze Welt geflogen. Wir waren in Brasilien, auf den Seychellen, Jamaika, auf den Turks & Caicos-Inseln, Curacao, Australien, Dubai, Irland und natürlich rund ums Mittelmeer von der Türkei über Griechenland, Kroatien und unsere Lieblingsinsel Sardinien bis zu Mallorca und den Kanaren. Wir haben so viel erlebt, gesehen und unternommen. Ich bin froh über all diese Erinnerungen und schaue mir unsere Fotos immer wieder gerne an. Und ich muss darüber lachen, wie wir vor 16 Jahren noch aussahen.

 

… für mein Dach über dem Kopf. Wir haben eine schöne Wohnung, in der ich mich schon so viele Jahre pudelwohl und zu Hause fühle. Ich schaue ins Grüne, wenn ich hier auf der Couch sitze und unsere Nachbarn sind die besten. Wenn wir uns vergrößern und ausziehen müssen, wird es nicht leicht sein, woanders wieder ein genauso schönes Zuhause-Gefühl zu bekommen wie hier.

 

… für die Möglichkeit einen Blog zu erstellen und mich selbst auszuprobieren. Ich weiß nicht, ob ich überhaupt jemanden hiermit erreiche, aber allein für mich lohnt sich die Erfahrung. Ich bin auf jeden Fall stolz auf mich, dass ich das durchziehe und es macht mir großen Spaß.

 

 


Ich muss sagen, dass es mir jetzt, nachdem ich mir meine persönliche Dankbarkeitsliste erstellt habe, schon viel besser geht. Die Liste könnte ich noch viel weiter spinnen. Dankbarkeit ist der Ursprung des Glücksgefühls.

 

Zu lernen, demütig auf alles zu schauen, was uns umgibt und zu schätzen wissen, was wir alles haben. Dabei geht es mir in erster Linie um Werte und Liebe, um Gefühle und tiefgehende Beziehungen. An unserem Spiegel im Flur hängt außerdem die beste Karte, die es gibt. Sie erinnert mich jeden Tag daran:

Mama chill mal - Blog - Glücklich sein - Karte

„Glücklich sein bedeutet nicht von allem das Beste zu haben,
sondern aus allem das Beste zu machen.“

 

 

Wenn ich nun also wieder in einer der eingangs erwähnten Situationen bin, werde ich mir meine Liste vor Augen halten. Ich werde sie lesen, verinnerlichen und merken, dass das, was mich gerade aufregt, gar nicht so tragisch ist. Es ist alles relativ.

 

Meine Konzentration auf das Wesentliche, nämlich meine Liste, lenkt meine Emotionen in eine andere Richtung. In eine Richtung, die mir gut tut. Die mich entspannt. Natürlich regt mich die Situation noch auf, aber sie ist nicht mehr so dramatisch und weniger vordergründig. 

 

Genauso werde ich in einem Stimmungstief merken, dass ich trotzdem auch so viel Gutes im Leben habe. Meine Aufmerksamkeit lenke ich auf das, was mich nicht traurig oder unzufrieden, sondern dankbar und glücklich macht.

 

Ich wundere mich, dass ich so traurig bin, obwohl ich so glücklich sein darf. Das negative Gefühl ist zwar immer noch da, aber nicht mehr so vordergründig und im Fokus. Meine Konzentration auf das Wesentliche, nämlich meine Liste, lässt mich ein wenig leichter fühlen in der noch präsenten Schwermut.

 

 

„Wenn sich jeder seine eigene Liste regelmäßig vor Augen führen würde,
wären viel mehr Menschen innerlich zufrieden.“

 

 

Ich bin überzeugt: Wenn sich jeder so eine Liste der Dankbarkeit macht und sie sich regelmäßig vor Augen führen würde, wären viel mehr Menschen innerlich zufrieden(er). Vielleicht würden viel mehr Menschen in angespannten Situationen ruhig bleiben können. Vielleicht würden viel mehr Menschen verzeihen können. Es tut einfach gut, sich klarzumachen, was man alles im Leben hat. Und dass nichts selbstverständlich ist, noch nicht einmal, dass wir atmen.

 

Bewusst empfundene Dankbarkeit ist nur ein Schritt in Richtung innerer Gelassenheit. Aber ein wichtiger Schritt. Bleibt gesund, bleibt stark und gönnt euch regelmäßig Ruhe und Auszeiten für euch selbst.

 

Eure Désirée

 

 

 

Wichtiger Hinweis: Solltet ihr oder ein Mensch, den ihr kennt, dauerhaft oder über einen längeren Zeitraum Symptome wie Niedergeschlagenheit, Antriebslosigkeit oder Traurigkeit verspüren, kann dahinter eine ernste Erkrankung stecken, die eine professionelle Behandlung erfordert.
Mehr Informationen und Hilfe.

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Kommentare: 2
  • #1

    Julia B. (Donnerstag, 28 Januar 2021 16:10)

    Ich habe deinen Artikel gelesen und mir sind die Tränen gekommen, weil ich wieder mal gemerkt habe, wie ähnlich wir uns doch sind ;)
    Ich muss mir auch so eine Liste erstellen, denn ich bin auch sehr oft sehr traurig...gerade im Winter und jetzt noch mit Corona, wo ich mir meine Elternzeit doch so anders vorgestellt habe...

  • #2

    Desiree (mamachillmal) (Montag, 01 Februar 2021 21:48)

    Danke für deine Offenheit! Ja es sind gerade extrem schwierige Zeiten während Corona wütet. Die ungewohnte Isolation verhindert viele wertvolle neue Kontakte und Austauschmöglichkeiten als frische Mama.
    Wichtig ist, dass deine Familie und Freundinnen für dich da sind und du zu schätzen weißt, dass ihr gesund seid. Gerade jetzt! Ich wünsche euch, dass das so bleibt!
    Die Umstände sind zwar gerade ungewohnt anders, im besten Fall wachsen wir daran und habet es bald überstanden. Ich bin für dich da!